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Ich liebe... Cheerleading! Ein Blick hinter die PomPoms.

2. Okt.
4 Min. Lesezeit

"Ach du machst Cheerleading? Das ist doch das Tanzen mit den Puscheln, oder?" Ein Satz, der die meisten kompetitiven Cheerleader an die Decke bringt. Denn das Klischee vom Frauensport, bei dem nur ein bisschen mit dem PomPoms gewedelt wird, diskreditiert die harte Arbeit und den körperlichen Anspruch, den Cheerleading auf Leistungsniveau seinen Athlet*innen abverlangt.


Cheerleader die auf einer Meisterschaft eine Pyramide zeigen.

Das falsche Klischee des Frauensports: Die Entwicklung des Cheerleadings.

Cheerleading entstand in den 1980ern in den USA. Bei Spielen von universitären American Football Teams entwickelte sich aus koordinierten Anfeuerungsrufen aus dem Publikum langsam das "Cheer-Leading", bei dem neben den klassischen Chants akrobatische Elemente und Poms eingeführt wurden, um das eigene Team anzufeuern. Die ersten Cheerleading-Teams bestanden nur aus Männern, erst in den 1930ern wurden vereinzelt Frauen zugelassen. Im zweiten Weltkrieg wandelte sich das Geschlechterverhältnis: Da viele Männer im Militärdienst waren, stieg die Frauenquote in den Teams. Neben dem klassischen Anfeuern wurden nun auch Auftritte zu Musik aufgeführt, um Zuschauer*innen zu unterhalten.

Im Laufe der Jahre kamen immer mehr akrobatische Elemente hinzu und man begann die Unterscheidung in Performance Cheer, die klassischen Showtanzgruppen, und Cheerleading, mit Fokus auf sportlich-akrobatischen Elementen.


Das Cheerleading 101

Cheerleader die einen Kick Basket werfen.

Was macht man beim Cheerleading?

Im modernen Wettkampf werden beim Cheerleading 2:00-2:30 Min. lange Routines aufgeführt. Diese bestehen aus verschiedenen Elementen:

  • Tumbling: Klassische Bodenturnelemente von Flikflak bis Doppelschraube.

  • Stunts: Akrobatische Elemente, bei denen eine Gruppe von Sportler*innen einen "Flyer" hochhebt. Hier gibt es diverse Auf- und Abgangsmöglichkeiten und "Body Positions", also Figuren die der Flyer oben im Stunt zeigen kann.

  • Pyramiden: Verbindungen von mehreren Stunts. Hier werden teilweise mehrere Flyer übereinander gestapelt.

  • Baskets: Würfe, bei denen der Flyer in der Luft einen Trick, wie beispielsweise einen Rückwärtssalto, zeigt.

  • Jumps: Sprünge, bei denen Flexibilität, Höhe und Spannung bewertet werden.

  • Tanz

Unterteilt werden die Teams in Levels, also verschiedene Schwierigkeitsstufen, in Altersklassen und in "Allgirl"- bzw. "CoEd"-Teams, je nachdem ob es sich um eine reine Frauen- oder eine gemischte Mannschaft handelt.


Wusstet ihr schon?

Der höchste Basket erreichte eine Höhe von 5.50 m. Der Rekord wurde von Mitgliedern der Australian All Star Cheerleading Federation im Jahr 2013 aufgestellt.



Was macht Cheerleading so besonders?

Ich bin der festen Überzeugung, dass es keinen anderen Teamsport gibt, der so viel Vertrauen, Zuverlässigkeit und Einsatz von seinen Sportler*innen abverlangt. Im Cheerleading gibt es feste Stuntgruppen, bei denen "Bases" und "Backspots" den "Flyer" hochheben bzw. werfen. Fehlt einer aus dieser Gruppe, kann der ganze Rest nicht vernünftig trainieren. Eine Absage kann dazu führen, dass das gesamte Team im Training die Pyramiden nicht aufbauen kann. Deshalb erfordert dieser Nischensport massiv viel Commitment. Geburtstage, Aufführungen oder Konzerte? Nein, das Training geht vor. Und dass viel Vertrauen dazu gehört, sich von vier Leuten in die Luft werfen zu lassen, auf 4 Metern Höhe eine Doppelschraube zu ziehen und darauf zu hoffen, dass diese Leute einen auch wieder fangen, das versteht sich wohl von selbst. Dadurch entsteht eine Bindung, die viele Menschen auch Jahre nach der "Rente" noch an den Sport bindet.

Die Kombination an turnerischen, akrobatischen und tänzerischen Elementen erfordert eine hohe körperliche Fitness, weshalb regelmäßiges Stretching und Krafttraining außerhalb des Team-Trainings erforderlich ist.


Wo findet man Cheerleading Vereine und Events?

So ziemlich überall! Die Weltmeisterschaften "The Cheerleading Worlds" finden jedes Jahr im April in den USA statt. Aber Meisterschaften gibt es auch überall in Deutschland. Einer der beliebtesten Wettkämpfe ist die "Elite Cheerleading Championship": Am Pfingstwochenende versammeln sich jedes Jahr Cheerleading Teams aus ganz Europa im Movie Park Bottrop, um sich dort im Wettkampf zu messen. Alleine in Köln gibt es mindestens fünf Vereine, die sich auf Cheerleading als Wettkampfssport spezialisiert haben.

Cheerleading, das früher Beiwerk eines anderen Sports war, ist mittlerweile hoch professionalisiert. In Deutschland gibt es spezifische Trainerscheine für Cheerleading-Coaches, in Talentstützpunkten werden Nachwuchsathlet*innen ausgebildet und unser Nationalteamkader kann bereits einige internationale Erfolge verzeichnen.


Kann man in jedem Alter mit Cheerleading anfangen?

Kurz gesagt: Ja! Bei den Erwachsenenteams gibt es keine Altersbegrenzung nach oben. Natürlich erlernen Kinder gerade Turnelemente und Beweglichkeit deutlich schneller als Erwachsene, aber viele erfolgreiche Cheerleader*innen haben erst im Erwachsenenalter mit dem Sport angefangen. Aufgrund der wachsenden Popularität bieten die meisten Vereine mittlerweile in allen Altersklassen Anfänger-Teams an. Am besten sucht ihr nach einem Verein in eurer Umgebung und fragt nach einem Probetraining. Die sind bei den allermeisten Vereinen kostenlos.



Cheerleaderin mit Pokal.

Mein Weg zum Cheerleading

Ich hatte schon immer eine Faszination für den Turnsport. Meine Mutter war als Jugendliche Nationalteamathletin und sehr lange Trainerin und ich schon als Kind in diversen Sommerprogrammen und Kinderturngruppen: Die Leidenschaft war da, das Talent für den Einzelsport leider nicht. Mit 16 fand ich damals über YouTube Videos von Wettkampfscheerleadern und die Kombination aus Turnelementen mit einem Teamsport begeisterte mich sofort. Ich suchte nach Vereinen in der Umgebung und konnte tatsächlich sofort ein Probetraining machen.

Mittlerweile ist meine aktive Karriere beendet, aber der Sport lässt einen nicht los: Seit knapp einem Jahrzehnt arbeite ich ehrenamtlich als Trainerin der United CheerStars in Köln und habe dort zunächst den Kinder- und mittlerweile den Jugendbereich betreut. Die Entwicklung der jungen Athlet*innen zu sehen, ist jedes Mal aufs Neue beeindruckend. Cheerleading fördert ihre Disziplin, ihre Konzentration und ihr Selbstvertrauen. Bereits einige Eltern kamen vor der Anmeldung mit der Sorge zu mir, dass so ein zeitintensiver Sport die schulischen Leistungen beeinträchtigen könnte. Aber in den meisten Fällen trat sogar der gegenteilige Effekt ein, die Sportler*innen entwickelten auch in der Schule mehr Ehrgeiz. Und auch die soziale Komponente ist nicht zu vernachlässigen, in der Trainingshalle finden viele Freundschaften fürs Leben.


FAQ

Worin unterscheidet sich Performance Cheer vom Cheerleading?

Performance Cheer besteht zum größten Teil aus tänzerischen Elementen, während beim Cheerleading mehr Akrobatik und Turnen erforderlich ist. Beide Sportarten gibt es aber mittlerweile im Wettkampfsformat.

Mini: Ohne Untergrenze

Primary: Kindesalter

Youth: Pre-Teenageralter

Junior: Jugendalter

Senior: Erwachsenenalter, keine Obergrenze Vereinzelt werden Master-Teams angeboten, häufig für Eltern die Cheerleading über das Hobby ihrer Kinder aufgegriffen haben mit geringerem sportlichen Anspruch. Da es aber im Seniorbereich keine Obergrenze gibt, könnten diese Athlet*innen auch in Senioren-Teams antreten.

Leider ist Cheerleading kein günstiger Sport. Neben den Vereinskosten, die sehr stark von den Trainingsbedingungen abhängen, kommen Kosten für Wettkampfsoutfits, Startgebühren und Reisekosten zu Wettkämpfen hinzu.

Nein! Turnerische Vorerfahrung ist natürlich hilfreich und untsterstützt einen sehr dabei, schnell ein hohes Level zu erreichen. In einem Anfängerteam werden aber keine turnerischen Kenntnisse vorrausgesetzt.


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