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Ich liebe… Tanzen – eine kleine Liebeserklärung an den Sport, der mein Leben prägt.

  • Tessa
  • vor 1 Tag
  • 3 Min. Lesezeit

Wenn mich heute jemand fragt, warum ich tanze, muss ich nicht lange überlegen: Weil es mich glücklich macht. Tanzen ist seit über zwanzig Jahren eine der größten Konstanten in meinem Leben. Es begleitet mich von der Kindheit über die Jugend bis ins Erwachsenenalter. Dabei sind es nicht nur die Schritte und Tanzstile, sondern vor allem die Menschen, die diesen Sport für mich so besonders machen.


Vom Fernseher in den Ballettsaal

Als ich vier Jahre alt war, sah ich zum ersten Mal den Animationsfilm Barbie in: Der Nussknacker, der das berühmte Ballett von Tschaikowsky inszenierte. Während andere Kinder vermutlich von der Geschichte rund um den Kampf von Clara gegen den bösen Mäusekönig und die Suche nach der Zuckerfee begeistert waren, konnte ich meinen Blick kaum von den Tänzen lassen. Immer wieder schaute ich sie mir an und versuchte im Wohnzimmer meiner Eltern (mehr schlecht als recht) die Bewegungen der Figuren nachzuahmen. Da unsere Wohnung aber bald für meine zeitweise waghalsigen Tanzeinlagen zu klein wurde, stand ich kurze Zeit später zum ersten Mal in einem echten Ballettstudio und übte port de bra, Plié und Tendu

Aus dieser kindlichen Begeisterung entwickelte sich mit den Jahren eine echte Leidenschaft, die weit über das Ballett hinausging. Mit der Zeit kamen weitere Tanzrichtungen wie Jazz, Contemporary und Hip-Hop hinzu. Vor allem letzteres bezeichne ich heute als mein großes Steckenpferd.

Das Ballett ist von klaren Abläufen und Regeln geprägt. Aber Hip-Hop erlaubt einem sich in seinem Stil und der Musik völlig auszuleben.  Auch wenn die Choreografie dieselbe ist, führt sie jeder auf seine eigene Weise aus. Dadurch kann ich meiner Kreativität freien Lauf lassen. Es gibt nicht den einen richtigen Weg zu tanzen – entscheidend ist, wie man Musik fühlt.

Heute trainiere ich mehrmals pro Woche und liebe die Abwechslung, die mir die verschiedenen Tanzstile bieten.


„Tanzen ist doch kein richtiger Sport.“

Wenn mich jemand fragt, welche Sportart ich betreibe und dann antworte: „Ich tanze!“ habe ich schon das ein oder andere Mal die Antwort bekommen: „Das bisschen Rumgehopse ist doch kein Sport.“

Wer eine solche Behauptung aufstellt, ist deutlich in meiner Gunst gesunken und hat vermutlich noch nie nach einer intensiven Trainingseinheit mit brennenden Muskeln auf dem Studioboden gesessen.

Tanzen fordert den gesamten Körper. Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit, Koordination und Konzentration arbeiten gleichzeitig zusammen. Außerdem geht es selten nur um den Ablauf von Bewegungen. Ein Tanz erzählt eine Geschichte, wie ein gutes Buch oder ein Theaterstück. Und diese Gefühle auf der Bühne so zu vermitteln, dass sie für das Publikum glaubwürdig wirken, gehört wahrscheinlich zu den größten Herausforderungen überhaupt.

Vor allem aber verlangt Tanzen Geduld. Manche Bewegungen gelingen sofort, andere brauchen Wochen oder sogar Monate. Gerade diese kleinen Erfolgsmomente machen den Reiz aus. Sie erinnern mich daran, dass Fortschritt selten über Nacht passiert und man dranbleiben muss. 

Aber klar, dieses kleine bisschen Rumgehopse ist in keinem Fall Sport. 


Eine zweite Familie

Das Wertvollste, was mir Tanzen geschenkt hat, sind allerdings nicht die Choreografien oder die Technik. Es sind die Menschen, die ich durch den Sport kennenlernen durfte. Viele der Tänzerinnen, mit denen ich als kleines Mädchen angefangen habe, tanzen noch heute an meiner Seite. Gemeinsam haben wir Auftritte erlebt, Fehler gemacht, Erfolge gefeiert und sind miteinander erwachsen geworden. Wir haben Herausforderungen auf und abseits der Tanzfläche bewältigt. Und mit der Zeit sind aus Trainingspartnerinnen Freundinnen geworden. Heute sind sie meine kleine Tanzfamilie, die ein fester Bestandteil meines alltäglichen Lebens sind. Sie kennen mich seit meiner Kindheit und Jugend, haben unzählige Stunden mit mir im Trainingsraum verbracht und verstehen genau, wie es sich anfühlt, gemeinsam auf einen Auftritt hinzuarbeiten.


A dancer dies twice

Was mit einem Barbiefilm begann ist heute einer der wichtigsten Bestandteile meines Lebens. Nach einem langen Arbeitstag vergesse ich im Training alles, was vorher passiert ist. Sobald die Musik beginnt, verschwindet der Alltag. Termine, Stress oder Sorgen bleiben draußen. 

Es fordert mich körperlich und mental, schenkt mir kreative Freiheit, bringt mich immer wieder aus meiner Komfortzone und erinnert mich daran, dass Perfektion nie das eigentliche Ziel ist. Viel wichtiger ist die Freude daran, sich weiterzuentwickeln.

Außerdem habe ich viele Menschen kennengelernt, die dieselbe Leidenschaft teilen und bei denen es völlig egal ist, welchen Beruf sie ausüben, wie alt sie sind oder woher wir kommen. Denn im Trainingsraum und auf der Bühne sind wir alle gleich.

Die amerikanische Tänzerin und Choreografin Martha Graham sagte einmal: „A dancer dies twice — once when they stop dancing, and this first death is the more painful.” 


Je älter ich werde, umso mehr verstehe ich ihre Worte. Ich kann mir ein Leben ohne Tanzen kaum vorstellen. Sollte irgendwann der Tag kommen, an dem mein Körper nicht mehr mithalten kann, hoffe ich, dass mir die Erinnerungen und ich das Gefühl der Freiheit immer noch spüren kann.


 
 
 

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